Guten Tag Herr Horwege,
Anfang Juli hatte ich meinen knapp 7 Jahre alten Cambridge CDP 851C bei Ihnen modifizieren lassen, und ich wollte Ihnen dazu noch eine Rückmeldung geben. Wie Sie sehen, habe ich mir einige Zeit dafür gelassen, damit meine Höreindrücke genug Zeit haben, sich zu verfestigen.
Meine Rückmeldung fällt differenziert, aber rundherum positiv aus. Vorausschicken muss ich dabei, dass nach meiner Überzeugung Höreindrücke etwas wahnsinnig Subjektives sind: Gefühlt 1.000 Variablen spielen dabei eine Rolle, beginnend mit der konkreten Konfiguration der Hifi-Anlage, in der auch diverses Zubehör und Tuning eine erhebliche Rolle spielen können, weiter über den Raum und die wechselhafte Stromqualität bis hin zur eigenen persönlichen Verfassung, die einen an dem einen Abend absolut begeistert Musik hören lässt und am nächsten Abend die Anlage nach wenigen Takten missmutig abschalten lässt. Wie will man da seriöse Vergleiche anstellen, auf die sich andere vielleicht verlassen wollen?
Und dennoch fand ich sehr überzeugend, dass Ihre Modifikation auf jeden Fall in die versprochene Richtung ging. Nichts ist schlimmer, als sich von einer Modifikation eine Veränderung in eine bestimmte Richtung zu versprechen, und hinterher erfolgt die Veränderung in die komplett entgegengesetzte Richtung.
Nach dieser Vorrede nun meine Höreindrücke: Am auffälligsten waren für mich die tonalen Veränderungen: Überraschend deutlich wurden S-Laute und Höhen, die vorher in meiner Anlage zur Schärfe und Bissigkeit neigten, abgemildert. Es fühlte sich an, als ob alle Frequenzbereiche durch die Modifikation irgendwie mehr Volumen erhalten hätten. Höhen und S-Laute waren feiner durchgezeichnet, milder, reichhaltiger, eleganter, entspannter, einfach angenehmer und „schöner“, wenn man so will. Stimmen und Instrumente wirken auf mich jetzt natürlicher, echter, voluminöser und damit auch irgendwie größer, hatten mehr Schmelz. In gewissem Umfang trifft dies auch auf die Bässe zu: Auch wenn die Bässe über die 2,5 Monate des Eindrückesammelns immer trockener und kontrollierter geworden sind, sind auch sie durch die Modifikation voluminöser geworden, im Tiefstbass ist da einfach „mehr da“ als vorher.
In puncto Räumlichkeit konnte ich keine dramatischen Veränderungen wahrnehmen, evtl. lassen sich auf der imaginären Bühne einzelne Schallereignisse etwas leichter und präziser orten.
Gibt es auch Schattenseiten bzw. Makel? Nicht wirklich, für mich jedenfalls nicht, aber auch das ist ziemlich subjektiv. 2 Dinge sind mir aufgefallen, die aber für meine Begriffe im nachvollziehbaren Zusammenhang mit den positiven Effekten stehen: Erstens das erhöhte Bassvolumen: Wenn die eigene Hifi-Anlage inkl. Raum etc. vorher schon tonal ausgeglichen oder vielleicht sogar relativ voluminös-warm abgestimmt war, dann kann es durch die Modifikation gerade den entscheidenden Hauch zu viel Bassdruck werden. Das sollte man also vorher vielleicht bedenken. Zweitens das Timing: Meine Anlage war vorher einigermaßen auf Attacke und Schnelligkeit getrimmt. Wenn nun aber die Anlage durch die CDP-Modifikation „eleganter, fließender, entspannter“ klingt (siehe oben), dann ist das für die Tonalität schön, wirkt sich aber eben auch auf das gefühlte, subjektiv wahrgenommene Timing aus: „Eleganz und entspannter Fluss“ sind nun mal das Gegenteil von Attacke und Speed! Das muss einen nicht stören (und mich hat es auch nicht gestört), aber auch diesen Effekt sollte man vorher bedenken. Anders ausgedrückt: Wenn man sich von seiner Anlage ausdrücklich mehr Attacke und Speed wünscht, dann sollte man vielleicht in ein anderes Tuning investieren.
Sind die positiven Veränderungen den aufgerufenen Preis wert? Meines Erachtens absolut ja. Meine Anlage klingt definitiv besser als zuvor (für meine Ohren). Dafür ist der geforderte Preis für meine Begriffe fair und bietet einen reellen Gegenwert. Zur Fairness gehört aber auch, dass man durch die Hörwege-Modifikation nicht die Erwartung haben sollte, dass aus einem 1.800 EUR-CD-Player auf einmal ein 10.000 EUR-CD-Player wird. Zum Vergleich: Einige Monate vorher hatte ich mir die Marantz 30-er-Kombi aus Vollverstärker und SACD-Player ausgeliehen. Am Ende habe ich sie nicht gekauft, aber für den inzwischen aufgerufenen UVP von zusammen 7.000 EUR konnte diese Marantz-Elektronik zugegebenermaßen schon mehr als die (selbst modifizierte) Cambridge-Elektronik. Trotzdem kam sie meinem Musikgeschmack am Ende nicht so richtig entgegen, vielleicht fehlte mir gerade der entspannte Klangcharakter der Cambridge-Elektronik (schon vor der Modifikation, erst recht nach der Modifikation).
Noch eine persönliche Anmerkung zur „Servicewüste Deutschland“: Was für eine Wohlfühl-Oase ist innerhalb dieser Servicewüste die HiFiWERKSTATT hoer-wege! Der Kontakt mit Ihnen, Herr Horwege, ist jederzeit angenehm und konstruktiv, egal ob per Mail oder am Telefon. Dazu gehört auch Ihre Pfiffigkeit, dass Sie auf Ihrer Homepage angeben, dass man Ihnen schon so um die 14 Tage für die Modifikation Zeit lassen sollte, ich dann mein modifiziertes Gerät aber schon nach sehr wenigen Tagen wieder wohlbehalten zurückhatte. Prima!
Nach diesen Eindrücken insgesamt steht mein Entschluss fest, dass ich Ihnen in den kommenden Monaten auch noch meinen Cambridge Vollverstärker 851a zusenden werde. Ich bin gespannt, welche klanglichen Türchen mit dessen Modifikation noch aufgehen werden.
Alles Gute für Sie und die besten Grüße von
Max aus Berlin
Von: stephan.horwege-hifi.werkstatt@ewetel.net
Gesendet: Montag, 28. September 2026 14:35
Betreff: Antwort auf die Rückmeldung zum modifizierten Cambridge 851c
Hallo Max aus Berlin,
danke für die sehr ausführliche Schilderung Ihrer Höreindrücke nach unserer Modifikation des 851C.
Wir stimmen Ihnen in allen Punkten zu, haben aber natürlich ein paar kleine Anmerkungen:
Der 851C spielt im Original-Zustand eher unausgewogen: Die Höhen sind zu „vorlaut“, die Mitten finden „kaum statt“, und der tiefe Bereich ist eher „unter-repräsentiert“. Sie erwähnen in einem Nebensatz zwar zahlreiche Tuning-Maßnahmen, „vergessen“ aber anscheinend die Signal-Kabel. Die Tuning-Maßnahmen und eventuell auch die Signal-Kabel wurden (zwangsläufig) so ausgewählt, dass der eher „blutleere“ Charakter des 851C „abgemildert“ wird. Nach der Modifikation spielt der 851C deutlich „ausgewogener“, so dass wohlmöglich manche der Maßnahmen jetzt „in die falsche Richtung“ gehen.
Unserer Meinung nach trifft die Aussage, dass „Attacke und Schnelligkeit“ weniger geworden wären, eher nicht zu. Denn was vorher diesen Eindruck verstärkt hat, waren die zahlreichen Störungen durch die billigen Gleichrichter-Dioden, die unser Gehirn einfach auf das Musik-Signal „aufschlägt“, so dass es wie mehr „Attacke“ wirkt. Hört man jedoch genauer hin, klingen solche Geräte aufgrund der zahlreichen Störungen eher langweilig, und bei höheren Lautstärker wird es schnell „schrill“. Kommt nach der Modifikation ein Impuls, so wird dieser nicht mehr von den zahlreichen Störungen teilweise „verdeckt“, sondern entsteht vor einen weitestgehend „schwarzem“ Hintergrund. Was zu der Schlussfolgerung führt, dass die Dynamik eher zunimmt.
So oder so empfehlen wir, das Gerät nach der Modifikation als ein gänzlich neues Gerät zu betrachten, und alle vorherigen Maßnahmen zur Klangverbesserung oder Klanganpassung auf den Prüfstand zu stellen.
PS: Die Änderungen beim 851A gehen in die gleiche Richtung, aber statt „langweilig“ klingt es „hochdynamisch“, zumindest wenn die Musik das hergibt.
Mit musikalischen Grüßen
HiFiWERKSTATT hoer-wege
Stephan Horwege